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Verfasst am 10.10.2009 15:22:58 Uhr
30.7.2009 – 2.8.2009 Weidenthal, Pfalz
20km, 300HM↑
Nach einem radtechnisch erholsamen Wochenende mit ganz wenig Schlaf, wenig Radfahren, viel Reden ging es am Sonntag wieder zurück in Richtung Basel. Da ich auf die Großstadt ehrlich keine Lust hatte, bin ich bereits in Weil am Rhein aus dem Zug gestiegen. Nach einer kurzen Pensionssuche checkte ich dort ein, wusch mal wieder meine Klamotten, machte einen kleinen Spaziergang, schlief erst einmal ein paar Stunden, ging Essen, schlief weiter.
3.8.2009 Weil am Rhein – Riegel
102,7km, 5:39h, 65HM↑
Nach vielen Stunden erholsamen Schlafes ging es nach dem Frühstück los. Der Himmel war sehr dunkel, es war recht kühl. Die Pensionsbesitzer empfahlen mir, so schnell wie es eben geht, nach Frankreich rüber zu fahren, da der Rheinradweg in Deutschland sehr ungepflegt und bei dem Wetter sehr dreckig sei.
Also gesagt und getan, Dank der zahlreichen Kraftwerke kann man die Rheinseite einfach wechseln. Jetzt bin ich im 7. Land bei der Deutschlandumrundung. Es fehlen noch 2 Länder.
Der Himmel wurde immer finsterer. Ich werde wohl gleich sehr nass werden.
So war es dann auch. Stört mich das? Nöö. Erst einmal kurz unterstellen, das Regenzeug anziehen und dann weiterfahren.
Die Beschilderung ist gut, aber es geht recht weit weg vom Rhein. Auch mal eine Alternative zu dem recht langweiligen Rheinkanal.
Es gab kleine Brücken,
es gab große Brücken.
Bin 1998 noch auf der Landstraße am Rhein entlang gefahren und hatte diese Kraftwerke direkt dort zum gucken
war es nun auf dem Radweg angenehmer. Leider habe ich dann den passenden Abzweig verpasst und stand plötzlich im Maisfeld.
Da wusste auch ich: hier geht es nicht weiter 
Also wieder ein wenig umfahren, überlegen, welcher der zahlreichen Feldwege mich zu einer Straße bringen könnte. Nach kurzer Suchaktion stand ich dann wieder auf einer normalen Straße.
In Chalampe gibt es einen kleinen Ecomarchestop, Mittagspause. Ich will ein wenig Abwechslung und fahre wieder nach Deutschland. Auf der deutschen Seite war es, wie morgens schon geschrieben, ein unbefestigter Weg.
Die Qualität ist gut und ich komme (viel zu) schnell voran. Die Aussicht ist hier nicht mehr so langweilig wie am Anfang des Tages.
Mittlerweile bin ich auch wieder trocken geworden.
Ich erreiche Breisach. Da der Papiertiger noch arbeiten muss, habe ich mir mal ein wenig Breisach angeschaut, ein schönes Städtchen.
Anschließend war es Kaffeezeit. Also in ein Café, direkt am Marktplatz. Da heißt es auf einmal hinter mir: „Ist hier noch ein Platz frei?“ Die Frage kam von der Schulleiterin meiner Ausbildungsschule (in meinem Heimatort). Meinen Gesichtsausdruck hätte ich in dem Moment gerne gesehen. Wir haben ein kleines Schwätzchen gehalten und danach ging es für mich schon weiter. Wenn auch mit kleinen Hindernissen.
In Sasbach verließ ich den Rheinradweg. Kurze Zeit später klingelte der Papiertiger auf dem Handy an und wir machten einen Treffpunkt in Ending aus. Nach der kurzen Begrüßung ging es dann sehr zügig zu seiner Wohnung. 30km/h mit dem Reiserad+Gepäck und nach 100km tun verdammt weh. Ein Glück war es flach und nicht weit.
Kurz frisch machen, Essen gehen, viel reden und einer kleinen Autobesichtungstour durch den Kaiserstuhl (ein Glück bin ich da nicht mit dem Rad durch ) wurde eine Bildungslücke geschlossen. „Männer auf Rädern“, sehr geil der Film. Bester Kommentar des Abends vom Papiertiger: „Du weißt, dass du schönere Räder hast?“
4.8.2009 Riegel – Söllingen
106,7km, 5:43h, 35HM↑
Im Tiefflug ging es am Morgen wieder zurück zur Strecke. Ja, Papiertiger, es ist mit einem Rennrad sehr viel einfacher schnell zu fahren wie mit dem bepackten Reiserad. Ein Glück hatte ich am Wochenende das Zeltgepäck Freunden mit nach Hause gegeben, so hat sich das Gesamtgewicht auch reduziert.
Wegen der Großbaustelle am Leopoldskanal ging es erst einmal weiter weg vom Rhein und ich hatte das zweifelhafte Vergnügen in den Ausflugsverkehr des Funparkes Rust zu kommen. Schrecklich. Meine Fahrtrichtung war in Richtung Norden, ab an den Rhein.
Das habe ich seit Basel hinter mich gebracht:
Die Strecke entwickelte sich sehr, sehr langweilig.
So war die Strecke auf gut 80km an dem Tag. Wenigstens war das Wetter wieder ok.
Das Foto fehlte ja noch:
Einmal wurde die Streckenführung dann doch ganz lustig. Der offizielle Radweg geht durch ein Kieswerk.
Manchmal konnte man einen kleinen Schlenker fahren und sah etwas anderes als Kanal, Deichweg, Straße. Abfluss aus einem der Altarme.
Blümchen hatte ich auch lang nicht mehr.
*Gähn*
Ich glaub, ich habe an dem Tag jede Veränderung des oben gezeigten Weges fotografiert.
Mir war LANGWEILIG!!! Es war einer der ganz wenigen Tage, wo ich Musik im Ohr hatte.
Ich hatte den Tag am Morgen zu schnell begonnen und das rächte sich am Nachmittag. Also schweres Haribodoping.
Eine Unterkunft zu finden erwies sich am späten Nachmittag schwerer als vermutet. Irgendwann fand ich in Söllingen ein Fremdenzimmer. Ein Drecksloch.
Das Finden des Abendessens war noch schwerer. Also noch mal abends schnell 4km geradelt, damit man wenigstens etwas am Imbiss essen konnte.
5.8.2009 Söllingen – Eppenbrunn
101,1km, 5:40h, 400HM↑
Ich hatte von der Rheinebene so die Nase voll, das gab es kaum. Nur gerade aus, nur flach. Kaum Abwechslung. Durch das eintönige Sitzen tat der Po weh. Ein Glück gab es heute die letzten Rheinkilometer und danach rief die Pfalz. Endlich wieder Steigungen fahren! Bevor es soweit war, musste der Tag erst einmal starten.
Der Tag startete mit einer großen Überraschung. Nachdem ich den Ekel wegen dem dreckigen Zimmer ein wenig überwunden hatte und manche Stellen einfach mal großzügig übersehen hatte, wollte ich um kurz vor 8h zum Frühstück gehen. Bei einem stolzen Zimmerbreis von 32€ wird das ja dabei sein. Dachte ich. Dem war aber nicht so. Vielleicht auch besser so, wenn es in deren Küche auch so ein Dreck wie in dem Zimmer ist.... Also ohne Frühstück los. Ein Früchteriegel mit ein wenig Wasser runter spülen. Das muss für den ersten Hunger reichen.
Die Brücke von Iffezheim war für Radfahrer gesperrt, also eine Brücke weiter. Dort ging es nach Beinheim rüber.
In Beinheim fand ich nach 50min Fahrt auf fast leeren Magen endlich einen Supermarkt. Frühstück! Die knapp 20km bis nach Lauterbourg war zwar recht flach, aber schön abwechslungsreich.
Blümchen
Nette Häuser
Nach Wissenbourg wurde es mit zur härtesten Prüfung der ganzen Tour. 20km geradeaus, rauer Asphalt, Gegenwind, brennende Sonne von oben. Jeder Meter fühlte sich doppelt so lang an. Die Beine schmerzten. Ich überlegte, ob ich gegen den Schmerz Paracetamol nehmen sollte. Musik wieder auf das Ohr. Es zog sich. Keine Abwechslung.
Eine der drei Kurven auf dem Stück
Anfang Wissenbourg endlich mal war zu gucken.
In Wissenbourg noch einmal schnell an einem Supermarkt Getränke und Essen nach fassen. Ich hoffe, das mir dieses Mal nicht schlecht vom Essen und Trinken wird.
Endlich hat die Ebene ein Ende und die Fahrt wird wieder Abwechslungsreich. Ein kleiner und gut ausgeschilderter Radweg führt mich in die richtige Richtung. Die Aussicht lenkt mich von den Schmerzen ab und nun lasse ich die Bilder ein wenig für sich sprechen, denn die Pfalz braucht keine Worte.
Mir geht es, um es gelinde zu sagen, so richtig satt beschi**en auf dem Rad. In Fischbach komme ich an einem Kneippbecken vorbei. Viel verkehrt kann ich damit nicht machen und viel zu warm ist es mir ja auch.
Diese Abkühlung hat ein kleines Wunder bewirkt. Mir ging es deutlich besser. Die ersten Steigungen seit langem gingen wieder los. Kleiner Gang rein, trampeln. Ein Traum als Landstraße. Keine Menschen unterwegs. Die Abfahrten ein Traum.
Auf dieser Landstraße gab es 15km lang keine Zivilisation. Mir sind vielleicht 2 oder 3 Autos begegnet.
In Eppenbrunn fasste ich den Entschluss: heute gibt es keine Pension oder Fremdenzimmer. Heute gibt es das bessere Hotel vor Ort. Schließlich ist es der letzte Abend von der Tour. Morgen gibt es nur noch wenige Kilometer. Erst einmal in der Sauna und im Pool entspannen. Ich war komplett fertig.
Abschlussbierchen
6.8.2009 Eppenbrunn – Zweibrücken
36,7km, 2:09h, 247HM↑
Die letzte Etappe. Ein wenig Wehmut. Ein wenig Freude.
Nach einem guten Hotelfrühstück (nach dem gestrigen Debakel ein besonderer Genuß) ging es los. Die Hotelwirtin meinte, nach Zweibrücken gibt es nur einen Berg. Ich hoffe es. Ich habe zwar eine gute Regenerationsfähigkeit entwickelt, doch merke ich die Strapazen der letzten Tage. Direkt hinter dem Hotel ging es in den Wald.
Nach 24min kam dann ein ernüchterndes Schild. 3km mit 8% Steigung. Na super, ich bin noch nicht einmal gescheit warm gefahren. Mit einem kleinen Gang ging es langsam da hoch und ich kam in einer Hochebene mit einer tollen Fernsicht raus.
Zu schnell ging es wieder runter und huch, doch noch mal eine Steigung. Dafür kann ich mir einige Kilometer sparen.
In Hornbach verließ ich die Grenze und es ging leicht abwärts in Richtung Zweibrücken.
Bahnfahren ist auch immer wieder „interessant“. Vor allem, wenn man in der Regionalbahn hockt und 4h die Gesellschaft vom Pack ertragen muss. Wofür gibt es eigentlich in der Regionalbahn die Radabteile? Da meinten doch welche, sich voll breit machen zu müssen und keinen Platz für mein Reiserad machen zu wollen. Also wurde von meiner Seite gemosert, sich so in den Weg hingestellt, das im Falle einer härteren Bremsung mein Rad gesichert gegen die Motzer fliegen würde. Nach 5min hatte ich dann wenigstens einen Radparkplatz. Wurde dafür als asoziales, egoistisches und einsames Schwein betituliert. Ja ne, is klar... erwähnte ich schon, das Bahnfahren nicht zu meinen liebsten Tätigkeiten gehört?
Am Ziel meiner Bahnreise, in Geisenheim im Rheingau, gab es die letzten Kilometer zu Rüdiger und Wanda. Schließlich ist morgen deren Hochzeit und ich ihre Trauzeugin. Dafür höre ich gerne ein paar Tage eher mit meiner Tour auf. Wenn die Hochzeit nicht gewesen wäre, hätte ich Rund um Deutschland beenden können.
7.8.09
Dieses Bild von der Hochzeit wollte ich dem Leser dann nicht vorenthalten :D
Ich hatte halt keine ordentlichen Klamotten mit und bin an keinem Laden vorbei gekommen. *Rechtfertigungsmodus aus*
Fazit:
Es war sehr schön gewesen. Ich habe meine persönlichen Grenzen erreicht, gehalten und auch überschritten.
Zahlen, Fakten und mehr:
Insgesamt:
1772,9km
10413Höhenmeter
106h
in
18 Etappen
2 Halbetappen
Oder im Mittel:
Ø 93,3km
Ø 548 HM
Ø 5:35h
Und sonst?
Summe Regen: vielleicht 2,5h, aber sehr wechselhaftes Wetter
Rad:
1 kaputtes Gewinde beim Gepäckträger, es in Marktredwitz geklebt wurde und seitdem hält
einmal die Cantisockel von den Bremsen nachziehen
einmal Luft nachfüllen
zweimal Kette ölen
ich:
die beiden kleinen Zehen auf gescheuert
einige blaue Flecken am Schienbein vom Pedal, wenn ich mal wieder vom Rad springen musste, weil ich zu dusselig auf den Wegen/Trails war
Radfahrerbräune
HABE FERTIG!
Ich hoffe, ihr hattet mit dem Lesen genauso viel Spaß wie ich beim Fahren und Schreiben hinterher.
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