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Verfasst am 17.08.2009 17:49:55 Uhr
19.7.2009 Regensburg – Seebach
109,7km, 5:20h, 142HM↑
Die Nacht war so richtig angenehm gewesen. Nach dem Frühstück ging es dann los, erst einmal rein nach Regensburg und den Radweg suchen. Er war schnell gefunden gewesen. Auf besagtem Radweg stellte ich fest: Kräftiger Rückenwind! Sehr schön. :)
Es ging mal nah an der Donau lang,
oder durch Ortschaften,
oder etwas über der Donau
her. Es ging zügig weiter. Es war von oben zwar trocken, aber mir war es kalt. Also erst einmal die Überschuhe und später, weil es mal wieder nach Regen ausschaute, die Regenjacke.
Straubing war erreicht. Erst mal in Richtung Stadt fahren, der Hunger heute ist nicht mehr feierlich. Alles was essbar ist und sich nicht schnell genug aus meiner Reichweite ist, verschwindet in mir. Solang das einzelne Tage sind, geht es ja.
Mal wieder ein Brückenheiliger:
In Straubing habe ich mich total verfahren und musste meine Ortskenntnis mehr erweitern, als mir lieb war. Der Umweg war nicht wirklich kurz gewesen, bis der Donauradweg wieder reicht war.
Das Wetter wusste heute nicht wirklich, was es wollte. Kommt nun Regen oder nicht? In der Sonne war es in den warmen Sachen zu warm, mit Wolken war es in den reinen Sommersachen zu kalt. Also rein in die Klamotten, raus aus den Klamotten... Immer wieder mal ein paar Regentropfen.
Den Rückenwind genießen,
die Ruhe in sich rein saugen. Die Augen und Ohren aufsperren und die Eindrücke direkt in die Seele lassen.
Hinter Deggendorf hatte ich mit knapp 110km genug, also eine Unterkunft suchen.
20.7.2009 Seebach – Bad Füssing
94,7km, 5:17h, 183HM↑
Am Morgen ging es sofort wieder auf den Donauradweg. Ich genoss die Ruhe. Mal links rum, mal rechts rum, mal über eine kleine Brücke...
Hmm, die Donau hat leichtes Hochwasser. Ich sehe es. Der Radweg verschwindet in den Fluten. Er ähnelt eher einem Bachlauf. Aber das wird schon nicht so schlimm sein. Das kann ich ja locker über die Wiese umfahren. Nach der Kurve war es dann nicht mehr ganz so locker. Denn das Stückchen überfluteter Radweg war ein wenig größer. Was machen? Umdrehen und über 5km Umweg suchen? Oder einfach langsam durch rollen? Es schaut nicht so tief aus. Ich entschied mich für die letztere Variante. Es war wirklich nicht tief gewesen und meine Füße blieben trocken. Der Blick zurück nach der 2. Passage.
Darauf folgte sofort die 3. Passage. Der sah ich leider schon an, dass das wohl tiefer werden würde. Was tun? Ich hatte auch noch Zuschauer. Ach, das wird schon passen. Ich überlegte, ob ich beim fahren noch ein paar Bilder machen sollte, ich ließ es dann doch bleiben. Das Wasser wurde tiefer und tiefer. Bald berührten die Füße beim treten die Oberfläche. Ohoh!! Als das Wasser dann um meine Knöchel schwappte, war mir klar: das ist hier verdammt tief! Gut, dass du nicht noch mit der Digicam rumspielst. Das wäre nicht gut gegangen. Ich muss mich darauf konzentrieren, das ich auf dem Radweg bleibe, das ich nicht in ein Hindernis fahre. Ein Glück war das Wasser klar und keine Drecksbrühe. Ich erntete danach anerkennende Blicke von den Zuschauern. Ganz cool und locker weiter fahren, als ob man so was jeden Tag machen würde, als ob es das normalste der Welt wäre. Bei jedem Tritt quatschte das Wasser aus den Schuhen. Uuah, gut, das es heute deutlich wärmer als gestern war.
Natürlich musste ich sofort im nächsten Ort zu einem Bankautomat. Ich hinterließ eine kleine Wasserspur und böse Blicke der Angestellten. Was kann ich denn dafür, wenn der Automat mitten in der Bank steht? Sollen sie den doch weiter außen montieren. Dann wäre es nicht so nass in ihrer Bank geworden :D. Im Supermarkt des Ortes gab es dann ein wenig Proviant gekauft und der erste Kartensatz (300g weniger in der Tasche) wurde nach Hause geschickt.
Auch am Radstandort war eine Pfütze unter dem Rad. Da scheinen die Felgen geflutet zu sein. Das trocknet auch schon wieder... Die Kette quitschte nun erbärmlich. Kein Wunder, war die letzte Kettenpflege schon viele Kilometer her. Ich glaube, zu Hause hatte ich die Kette mal geölt, sicher war ich mir nicht. Also einen guten Standort suchen, wo ich das Rad gut anlehnen kann und ölen. Da das Schaltwerk eher einem Ölklumpen glich, wurde da noch ein wenig Gewichtstuning betrieben. Nun war wieder Ruhe im Antrieb.
Vor Passau ging es über das Sperrwerk auf die andere Donauseite. Bei dem Hochwasser ist es sehr beeindruckend, die Wassermassen unter sich her schießen zu sehen.
Passau ist eine schöne Stadt. Es ging runter an den Inn, der Donau folge ich nun nicht mehr weiter.
Nach wenigen Kilometern ging es wieder über ein Sperrwerk. Nun mit Gitterosten. Das war nicht wirklich was für mich. Ich war fertig mit der Welt, als ich auf der anderen Seite war. Wieso können die nicht eine Spur machen, wo man nicht komplett bis nach unten gucken kann?
Wieso sehen die Schilder nun so viel anders aus? Ach so, ich bin in Österreich. Keinerlei Schilder, Grenzsteine waren zu erkennen. So muss das obligatorische Grenzbild warten. Am Inn ist nichts mehr los. In Schärding fahre ich wieder auf die deutsche Seite. In der Hoffnung, da ist mehr los. In der Hoffnung, ein Grenzschild zu finden. Nö, dem war nicht so. Immerhin finde ich Radhinweisschilder, wo ich weiter lang muss.
Der Inntalradweg führte nun über die Deichkrone. Immer gerade aus. Ich hatte keine Lust mehr.
In Bad Füssing versuchte ich erneut mein Glück mit dem Grenzschild.
Danach ging es auf den Campingplatz. Mit einem Rekordpreis. Ich habe noch 12,30EUR für eine Zeltübernachtung mit Zelt und Rad gezahlt. Dafür hatte der Campingplatz auch noch so einen trockenen Boden, wo man keine Nadel rein bekam. Und so ein schlechtes Essen in der Gaststätte, wie ich es selten erlebt hatte. Man bestelle Käsespätzle und bekomme einen Haufen sehr trocken, ääh, knusprig gebratener und fetttriefender Spätzle wieder, wo ein Hauch an Käse dran war. Jedes Käsebrot hat mehr Käse als diese Spätzle. Auf meine Rückfrage hin, wo denn der Käse wäre, meinte der Koch, er würde da immer so wenig Käse dran machen, weil er ja so salzig wäre und damit würde man dann das Essen versalzen. Aha?!?!
Der Himmel zieht sich wieder komplett zu. Hoffentlich regnet es nicht. Das Sirren der Hochspannungsleitungen, die über den Campingplatz führten war nervend. Was macht man um 20:30 auf einem Campingplatz, wo man sich nicht drauf wohl fühlt? Richtig, man legt sich schlafen. In der Nacht wurde ich mal wach und konnte die Sterne am Himmel nicht mehr zählen so viele waren das.
21.7.2009 Bad Füssing - Traunstein
108,7km, 6:45h, 738HM↑
Die Nacht war trocken geblieben und gegen Morgen wurde es recht frisch. Dicker Nabel machte sich breit. Da es 6h war, habe ich beschlossen, aufzustehen und habe angefangen, meine Sachen zusammen zupacken. Die Socken hätte ich gestern besser mal mit gewaschen. Sie stinken gewaltig. Ok, die Nase ist weit weg von den Füßen und die Füße sind in den Schuhen, das rieche ich dann hoffentlich nicht. Das nasse Zelt ist eingepackt, die Taschen mehr oder weniger gleich schwer, ab zur Anmeldung. Frühstück kaufen und packe die beiden Brötchen ein.
Ich fahre durch den Nebel. Es wird mir kalt. 13°C und die Feuchtigkeit ist nicht schön. Nach einer Stunde beschließe ich, doch endlich mal zu frühstücken. Ein Brötchen und den Kakao gehen so gerade eben. Weiter durch die dicke Suppe. Die Sonne hat keinerlei Chance sich dadurch zu kämpfen, alles ist irgendwie feucht.
Mit einem Mal ist der Nebel wie weg geblasen. Ich sehe den Weg nun deutlich weiter. Sehr abwechslungsreich ist das nicht gerade. Alles ist so mühsam. Meine Moral ist am Boden.
Die einzige Abwechslung sind die Schmetterlinge, welche auf dem Boden sitzen und in der Sonne ihre Flügel trocknen.
Der Weg geht dann irgendwann auch vom Inn weg und schon hat man wieder was zu gucken.
Die Sonne brennt schon früh vom Himmel. Das kleine Kettenblatt wird gebraucht. Warum kann ich nicht darauf schalten? Alles klar, ein Steinchen blockiert den Umwerfer. Das ist schnell behoben. Wo ich den wohl eingesammelt haben mag? Ich weiß es nicht.
Am Aussichtspunkt Inn-Salzach-Zusammenfluss mache ich eine weitere Pause und esse das 2. Brötchen. Weiter geht die Fahrt über die Hochebene. Eine sehr steile Abfahrt führt mich nach Burghausen. Ein schönes Städtchen.
Ach, hier kann ich laut der Radwanderkarte am Wegesrand auf der deutschen Seite bequem unten am Fluss entlang radeln? Leider doch nicht. Ein Hangrutsch , bzw. die Arbeiten am Hang verhindern ein Durchkommen. Also doch auf die andere Seite und den Berg hoch kurbeln. Ah, R3a, das ist doch mein Radweg. Hui, der führt ja runter an die Salzach. Verdammter Mist! Das ist die falsche Richtung! Der führt zurück! 4 unnötige Kilometer. Jetzt bleibe ich auf der Straße und folge nicht irgendwelchen Radschildern, wer weiß, wo ich sonst lande!
In Tittmoning fahre ich wieder auf die deutsche Seite. Es hat auf dem Rad 36°C. Getränke werden aufgefüllt und im Schatten sitzend mache ich eine Pause. Ich mache einen kleinen Forumsbeitrag, meine Moral ist am Ende, ich brauche Unterstützung und schließlich habe ich die Ostseite nun hinter mir, ich sehe die Alpen.
Jetzt kommt die Südgrenze dran. Ich habe noch 30km bis nach Traunstein vor mir. Das kann lang werden. Und es wurde lang. Mich munterten SMS, Anrufe und zweideutige Schilder auf.
Blick auf die Alpen, was habe ich diesen Blick ersehnt!
Es ging eigentlich nur noch Berghoch. Ich schlich daher. Als ob der Akku leer wäre. Aber ich wollte ja noch unbedingt nach Traunstein. Also muss ich dadurch.
Es war so elendig heiß. Das dünne Unterhemd kann man auch noch aufziehen und das Trikot weit möglichst offen lassen. Es brachte keine Abkühlung.
In Waging noch eine Limo und ein Eis an der Tanke. Noch 11,8km. Jeder Schattenplatz eine kurze Pause. Mal ein paar Meter im Schatten fahren.
Traunstein endlich erreicht. Die Jugendherberge war ausgebucht. Na toll, nun noch komplett fertig nach einem Bett suchen. Auf zur Touri-Info. Wieder einen Berg hoch. Die Touri-Info hat mir ein sehr schönes Privatzimmer zu einem sehr günstigen Kurs vermittelt (23EUR; ÜF). Für das Geld kann ich kaum zelten. Nun kann ich das nasse Zelt trocknen, die stinkigen Radklamotten kommen erst einmal auf den Balkon, ich wasche morgen. Ich denke nur noch: Essen, essen, essen! Also wieder zurück in die Stadt schlendern. Kurz vor 21h schlief ich bereits.
22.8.2009 Traunstein
Ruhetag
Nach gut 10h Schlaf wache ich am nächsten Morgen wieder auf. Ui, das tat gut! Nach dem Frühstück und Wäschewaschen ging es wieder nach Traunstein. Einmal den Berg runter und wieder hoch. Ich lasse das Rad stehen und gehe zu Fuß. Es sind gefühlte 200 Stufen hoch wie runter.
Wenn man so lang unterwegs ist, muss man hin und wieder sich um seinen Papierkram kümmern. Dank Handy und Internetempfang damit geht dies recht problemlos. Ich hocke in einem Park und habe fast ein kleines Büro auf der Parkbank. Nach den ganzen Telefonaten fange ich an, mein Tagebuch zu schreiben. Den Eintrag von gestern und einen Teil vom heutigen Tag. Das ruft Interesse bei einem Mann hervor, der mit einem Gipsbein durch die Gegend humpelt. Wir kommen in ein angenehmes Gespräch.
Später schaue ich mir so ein paar Kleinigkeiten von Traunstein an.
Blümchen
Krasses ehemaliges Weihwasserbecken. Ich hoffe, dass der Schädel nur aus Stein ist.
Kunst am Taubenmarkt
Kein Kommentar von mir.
O-Ton: kaum machst du einen Ruhetag, schon machst du wieder Unsinn!
Kapelle am Ortsrand:
Ansonsten war es ein klassischer Ruhetag. Essen, trinken, schlafen, spazieren gehen. Und das beliebiger Wiederholung :D
Abends zog sich es noch kräftig zu. Es sah nach starken Gewittern aus. Aber es blieb trocken.
Fortsetzung folgt!
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