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Verfasst am 18.09.2009 20:14:37 Uhr
27.7.2009 Lindau – Stein am Rhein
84,5km, 4:56h, 212HM↑
Die Nacht war eher schrecklich. 3 von 4 Personen im Raum hatten akute Angst vor Frischluft und eine Person hat sämtlichen Wald vom Allgäu in der Nacht gefällt. Bezüglich der Frischluft konnte ich mich zum Glück durch setzen. Oder waren es eher die Radschuhe+Socken, die rein zufälliger Weise in der Nähe der Person stand, die am meisten Angst vor der Frischluft hatte? :D
Leise aufstehen und
Das reichte dann bis abends.
Für den heutigen Tag hatte ich mir ganz fest vorgenommen, nur ein paar Kilometer gemütlich am Bodensee entlang zu rollen. Einfach nur die Beine lockern. Sozusagen einen aktiven Ruhetag machen.
Wenn ich schon an der gleichen Stelle bei Neuschwanstein ein Foto mache, dann kann ich das auch in Lindau.
Was für ein Wetter!
Am Bodensee ist es einfach schön.
Irgendwie ist der Bodensee doch länger als ich dachte. Wollte ich doch nur mal eben schnell nach Stein am Rhein, so einen ganz gemütlichen Tag nach den vier anstrengenden Tagen machen. Also den leichten Gang drin lassen, gemütlich rollen, zwei Gänge unter seinen Möglichkeiten lassen. Nach 2h merkte ich, wie die Beine wieder lockerer wurden.
Schön gemütlich mit der Fähre (Meersburg) fahren. Oha, was wurde ich von dem Fährhansel angeraunzt, als ich das Rad über den Fußgängerübergang hoch schiebe wollte. Nein, ich musste warten, bis alle Autos drauf waren. Damit ich danach den gleichen Stehplatz bekomme. Soll mal einer den verstehen.
Mal wieder ein Brückenheiligen fotografieren.
Ja, was ist denn das? So ein blödes Schengenabkommen. Keine Zöllner weit und breit, kein schönes Schweizschild. Nur ein verlassener Grenzübergang. Da ist ja auch kein Verlass mehr drauf. So habe ich das Bild einfach während der Fahrt gemacht, kommt das übliche Grinsebild halt später.
Es ging weiter über die schweizer Seite. Nun ist die Trinkwasserversorgung kein Problem mehr. Es gibt überall Trinkwasserbrunnen und so habe ich immer wieder eine volle Flasche mit dem kühlen nass.
In Stein am Rhein fuhr ich erneut über den Rhein. Wo mag hier wohl die Jugendherberge sein? Es ist im Ort rein gar nichts ausgeschildert. Muss ich wirklich bis nach Schaffhausen durch fahren? Ich sinniere so vor mich hin, kann nicht mehr wirklich und was sehe ich aus dem Augenwinkel? Das Jugendherbergsschild. Klasse! Nachteil: Die Rezeption ist erst ab 17h geöffnet und es war nun 15h. Und was nun? Der Zivi war ein ganz netter. Er reservierte mir zuerst ein Bett und sagte mir, dass die Duschen im Keller schon wieder frei wären und das ich die auch schon nutzen könnte. Leider könne ich die Waschmaschine erst nach 17h nutzen. Kein Problem, denn ich muss ja bei mir erst eine Grundreinigung machen. Danach Tagebuch schreiben und schon war es 17h.
Nach dem Abendessen habe ich mich über die Sparsamkeit und Ideenreichtum der Schweizer amüsiert. Alte Bettenroste kann man auch als Zaun nutzen!
28.7.2009 Stein am Rhein – Laufenburg
102,7km, 6:04h, 486HM↑
Die Nacht im ausgebuchten Jugendherbergszimmer war erstaunlicher Weise sehr ruhig. Es waren halt alles Radfahrer, die unterwegs waren. Ein entsprechendes Chaos war da dann auch am nächsten Morgen. Der Kaffee war nach dem Prinzip „wir feuchten ein Pfund Kaffeepulver an und testen, ob der Löffel unter geht. Geht er unter, war es zu viel Wasser“. Da ist der Löffel fast nur mit Gewalt rein gegangen... Hammer. Eine halbe kleine Tasse und die Koffeinmenge eines Tages intus.
Es ging heute irgendwie noch früher los als sonst. Das lag sicherlich an dem Kaffee. Morgenluft in malerischen Orten.
Hinter diesem Ort hat sich wer ganz viel Mühe mit den Sonnenblumen gegeben. Nicht nur einzelne Blüten, sondern am ganzen Feldrand!
Ein Grenzübergang der anderen Art!
Im Wald war eine unwahrscheinliche Ruhe. Die Sonne zaubert tolle Lichtverhältnisse.
Nachfolgend ging es immer wieder über die Grenze. Ich verlor ein wenig die Übersicht, war ich nun in Deutschland oder war ich in der Schweiz? Ok, jetzt fahre ich gerade in die Schweiz. Da fehlte ja noch das eine Foto...
Kunst gab es auch am Wegesrand zu bewundern.
Schaffhausen war bald erreicht. Ich wollte den Rheinfall bewundern. Also los, auf zur Suche. Uuuuh, der Weg tut weh. 20% muss ja nicht wirklich sein. Ich kippe bei der Hälfte der Strecke seitlich vom Rad. Es war einfach zu steil. Erst mal wieder zur Luft kommen. Was macht man dann am besten, damit es nicht so aussieht, als ob man nicht mehr könnte? Richtig! Fotoapparat raus und knipsen.
Den Rest habe ich dann freiwillig geschoben. Ich hätte nicht gewusst, wie ich da hätte wieder anfahren gekonnt hätte. Oben am Parkplatz wurde aus dem Rheinfall ein Reinfall. Schade, denn der Rhein führte sehr viel Wasser und es hätte sicherlich toll ausgesehen.
Alles jammern hilft nichts, weiter geht die Fahrt. Schöne Ausblicke genießen und warum ist der Rheinradweg nicht unten am Rhein???
Mal ein wenig am Brunnen chillen und die Flaschen füllen. Bei der Wärme tat regelmäßiges kühles nass gut. Ein HOCH! auf die schweizer Brunnen.
Der Ort hatte tolle Bauerngärten. Eine Augenweide. In Kaiserstuhl beschloss ich, mal auf die deutsche Seite zu fahren. Ich ahnte schon böses, als es so steil Bergab zum Rhein ging. Erst einmal für den Widu ein Foto machen:
Auf der anderen Brückenseite schauten die Grenzer schon meinem treiben zu. Als ich dann mich nach dem Rheinradweg umschauend über die Grenze fuhr, riefen sie mir schon zu: den Berghoch und dann links!
Auf der deutschen Seite hieß der Weg dann sinniger Weise RheinTALradweg. Was das heißt, durfte ich ja schon an der Naab testen. Berghoch und Bergrunter.
Die Ortschaften in Deutschland sind auch ganz nett.
Aber um diese Uhrzeit waren alle Bürgersteige hoch geklappt. Und mein Magen knurrte.
Da ich nun festgestellt habe, das es auf den Rheinbrücken auch Brückenheilige gibt, habe ich mir die Zeit damit vertrieben, an Rheinbrücken, wo ich nicht gerade einen Bergrunter und wieder hoch musste, abzuchecken. Das führte mitunter zu amüsanten Gegebenheiten, da der Rhein ja die Grenze darstellt und die Grenzer immer am auf der Schäl sick (Nordufer) standen. Zur Grenze fahren, schauen, ob dort ein Brückenheiliger steht oder nicht. Wenn nein, vor der Grenze umdrehen und weiter fahren. Wenn ja: über die Grenze drüber und prüfen, ob es ein Nepomuk ist. Wenn ja: Foto, drehen und wieder über die Grenze. Wenn nein: sofort drehen und über die Grenze. Die Grenzer fragten sich sicherlich ein paar mal, ob ich sie noch alle hätte :D
In Waldshut am Rhein konnte ich dann endlich eine schöne Pause einlegen.
Kurz nach der Pause kam der Mann mit dem Hammer vorbei. Oha. Ok, es ist der 6. Radtag in Folge, da sollte man damit rechnen. Hirn aus, kämpfen und das nächste Kaufbett (Hotel/Pension...) gehört mir. Und es kam lange Zeit nichts mehr. Da! Gästezimmer! Mist, zu und keiner geht an das Telefon. Weiter. Langsam. Stetig. Kämpfen. Im nächsten Ort gibt es sicherlich was. Ruhetag bis 17h. Egal. Einfach mal anrufen. Mailbox. Wie ich das hasse. Wieder versucht, ich konnte nicht mehr, ich musste aufhören. Ja, sie wüsste das gerade nicht, sie wären in 20min im Hotel, ob ich dann wieder anrufen wollte? Ich bin vor der Haustüre, ich warte. Ich sitze also in der Sonne, fertig mit der Welt. Es kommen noch weitere Radler an, die bei ihrem Hänger einen Achsbruch hatten und auch nicht weiter kamen. Zum Glück gab es für mich noch ein Zimmer. Ich freue mich über den Luxus des Bades und des weichen Bettes.
Die Überlegung am Abend war: Gehst du im Hotel essen oder den Berg runter ins Dorf? Ich dachte, bleib oben, schone dich. Das Essen war schmackhaft, sehr übersichtlich auf dem Teller und die Aussicht durfte ich auch mitbezahlen. Ich ging danach noch zum Chinesen unten im Ort. Danach war auch dann satt.
29.7.2009 Laufenburg – Basel
52,7km, 3:00h, 236HM↑
Heute stand nur die Strecke bis Basel auf dem Programm. Nach den vielen Radtagen erschien es mir wie eine Kurzetappe.
Erst einmal runter nach Laufenburg, der Brückenheilige musste fotografiert werden.
Es ging ganz ruhig nach Bad Säckingen, die Holzbrücke bewundern.
Es muss da drauf doch sicherlich auch einen Brückenheiligen geben. In der Tat, sogar einer der schönsten der ganzen Tour.
Der Weg selbst war unspektakulär. Ich fand die Zeit und Ruhe, mich auf Blümchensuche zu begeben.
Ok, in der Realität waren diese Sonnenblumen nicht zu übersehen. Da waren mächtig große Trümmer dabei.
Das Problem bei diesen stark befahrenen Radwegen ist ja, wenn Frau mal muss. Dann ist natürlich kein Gebüsch weit und breit mehr zu sehen. Ich kann euch sagen, es sind mitunter schreckliche Qualen und man schickt mehr als ein Stoßgebet zum Himmel. Noch schöner ist es dann, wenn man an einem Kloster mit öffentlicher Toilette vorbei kommt. Diese Erleichterung... Unbeschreiblich :D
Danach hatte ich auch wieder die Muse, zu fotografieren. Ein Storchenpaar war noch mit der Aufzucht des Nachwuchses beschäftigt.
In Wyhlen verfuhr ich mich mal wieder und landete auf der schweizer Seite. Da wollte ich eigentlich nicht hin. Da das Wort „zurück fahren“ in meinem Sprachschatz nicht existiert, musste ich da durch. Immer diesen Schildern folgen:
Was für ein krasser Wechsel. Roch ich davor den Rhein, die Blumen, roch ich nun die chemische Industrie von Basel. Bäh. Schnell ging es in die Stadt rein und ich musste mich auf die Bahnhofssuche begeben. Der Stadtverkehr war anstrengend und die Orientierung schwierig. Irgendwann stand ich am Basel, badischer Bahnhof und ich stellte mich am Fahrkartenschalter an und wartete und wartete und wartete... Um 11:43h hatte ich meine Fahrkarte nach Weidenthal mit dem Vermerk, „wenn Sie sich beeilen, bekommen Sie um 11:48 noch den Zug!“. Dummerweise war zwischen Bahnsteig und Schalter die größtmögliche Strecke von dem Bahnhof. Nach dem Sprint erreichte ich dann noch so gerade eben passend den Zug. Von Basel bis in die Pfalz mit Bummelzügen und viermal umsteigen. Langweilig. Aber sich nicht mehr bewegen ist auch toll!
In Weidenthal ging es sofort ins Erdbeertal, Freunde und Bekannte treffen und sich langsam auf das SIS Wochenende einstimmen.
Fortsetzung folgt!
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