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Verfasst am 15.08.2009 19:35:34 Uhr
15.7.2009 Schöneck – Marktredwitz
87,5km, 5:37h, 936HM↑
Heute stand die Querung des Vogtlandes an und das Fichtelgebirge. Das Wetter war schon mal ein wenig hmm... Die Straßen waren nass, so zog ich mir in dieser Fotopause
auch direkt die Überschuhe an, denn auf nasse Füße hatte ich keine Lust. Es sollte der Tag mit dem meisten Regen werden.
Das Vogtland ist bei weitem nicht mehr so wild und urwüchsig wie das Erzgebirge. Es ging über kleine Straßen quer durch das Land.
Erfreulicher Weise waren die „Fernziele bald ausgeschildert, so musste ich nicht viel in der Karte suchen, wo ich abbiegen musste. Plötzlich waren die Autokennzeichen mit Ho zu sehen. Freistaatwechsel. Von den Sachsen zu den Bayern. Der Landschaft ist es egal, sie ist in Sachsen als auch in Bayern schön.
In Rehau nutze ich die Gelegenheit, Getränke, Brötchen und Apfel zu kaufen. Es war an dem Tag die einzige Möglichkeit. Nach langer Zeit musste ich dann ein paar Kilometer auf eine stark befahrene Straße bis kurz vor Schwarzenbach. War das ätzend. Wo kommen die ganzen Autos her? Immerhin wird man hier nicht von der Straße gehupt. Kurz vor Schwarzenbach ging es wieder auf eine ruhige Nebenstrecke in Richtung Marktleuthen.
Klasse, da ist ja Marktredwitz ausgeschildert, da willst du doch hin! Ich folge den Schildern. Irgendwie passt mir die Richtung nicht, das müsste laut Karte anders sein. Also an einer kleinen Kreuzung anhalten und mal schauen, was Sache ist. Toll gemacht Kathrin! Das ist mehr oder weniger der Autobahnzubringer, nach der Autobahn geht die Strecke in die falsche Richtung weiter. Was nun? Auf der Karte waren kleine weiße und graue Wege eingetragen. Dann gibt es in direkter Luftlinie ein Weg in die richtige Richtung. Das dürfte recht hügelig werden. Die Wolken werden immer dunkler.
Ausblicke:
Die kleinen Wege waren erstaunlicher Weise mit normalen Straßenschildern versehen, somit war die Wegfindung dann einfacher als ich dachte. Nur die Anwohner schauten ein wenig verdutzt, hier einen Gepäckradler zu finden. Der direkte Weg war zwar schön kurz, hatte aber den Nachteil, das es dann gerade den Berg hoch ging, man oben schon den weiteren Weg bis zur nächsten Kuppe sehen konnte. Die Wolken öffneten sich, der Regen fällt. Die Wolke ist genauso schnell wie ich. Ich sehe überall den Ende des Regens und ich muss die 17% hoch. Bis zur Hälfte schaffe ich es, dann ist mal wieder schieben angesagt. Regen, den Berg hoch schiebend. Meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. Nach einer halben Stunde merkte ich, wie das Wasser schön von oben zwischen Überschuh und Bein in die Schuhe rein lief. Bääh.
In Marktredwitz sollte es laut Karte eine Jugendherberge geben. Ich kurvte umher, keiner wusste, wo diese sein sollte. Nach recht kurzer Zeit hatte ich keine Lust mehr zu suchen, also klitschnass wie ich war in die Touriinfo rein und nach einem Hotel fragen. 28,50EUR sind mehr als akzeptabel.
Das Hotel lag recht Stadtnah und so musste ich nicht mehr so weit fahren. Im Hotel höre ich, das ich dort auch essen kann, dass die Küche abends auf hat. Also im Zimmer die ganzen nassen Sachen ausziehen, aufhängen. Was für eine Deko. Ich genieße den Luxus eines Fernsehers.
Gegen 18.30h gehe ich runter, um was zu essen. Der Hotelwirt fragt bestimmt: „Sie wollen doch auch den Grillteller haben??“ Ich traue mich darauf nicht zu widersprechen. Ich schaue dem Koch beim grillen zu, schlürfe an der Apfelsaftschorle und träume mit knurrenden Magen vor mich hin. Ok, der Salatteller war schon mal nicht wenig. Dann kam das Fleisch und die Beilagen. Angesichts der Mengen schaute ich noch mal nach links und rechts, ob noch wer davon essen muss. War nicht. 3 Kartoffelbeilagen: Kartoffelsalat, Bratkartoffeln, Pommes. Fleisch: Filet, 2 Bratwürste, Lammkotelett, Bauchspeck, Nackensteak und noch was mehr. Merke: schaue nie hungrig. Das war einer der wenigen Male, wo ich ausgehungert nicht alles geschafft habe. Ein Teil der Pommes sind liegen geblieben :D
16.7.2009 Marktredwitz – Nabburg
102,9km, 6:15h, 534HM↑
Das Frühstück war im Wintergarten und somit hatte ich einen schönen Blick nach draußen in den Garten. Ich war ja schon froh drum, das es draußen trocken war und kein Regen zu sehen war. Aber was ist das? Sehe ich das richtig? Sind da große Greifvögel im Garten? Kann das sein? Das sind doch Adler! Hab ich Halluz? Nachdem mir der Hotelwirt den Kaffee vor die Nase gestellt hat, verschwand er und war dann draußen wieder zu sehen. Mit einem schweren Lederhandschuh. Ok, ich habe keine Halluz. Er hat tatsächlich reichlich Greifvögel, vor allem diverse Adler, im Garten stehen und sammelte diese wieder ein. Schnell das Handy greifen und ein Foto machen.
Der Radtag startet leider nicht so toll. Die Gepäckträgerschraube, welche am Hinterbau diesen befestigt, lockert sich alle paar Meter. Das Gewinde und/oder die Schraube ist hin. Was mach ich nur? Ob man das noch reparieren kann? Jetzt bräuchte ich mal Schraubenkleber oder eine Rohrschelle, bzw. Blech zum biegen. Wo bekomme ich das bloß her? Ich rolle so dahin, kein Baumarkt weit und breit. Und wieder anhalten, Schraube rein drehen, weiter rollen. Ich komme an einer Fordwerkstatt vorbei. Die werden doch sowas haben. Hoffe ich. Also rein und in der Annahme erst einmal den Meister gefragt. Er schickt mich sofort nach hinten zur Werkstatt. Ich erkläre dem sehr freundlichen Mechaniker mein Problem. Er holte sofort den Schraubenkleber und freute sich, das ich ihm sofort das passende Werkzeug reichte. Die Schraube war auch ausgenudelt, also wurde eine neue Schraube entsprechend gekürzt und mit reichlich Kleber rein gedreht. Das hielt dann. Hoffentlich hält das bis zum Ende der Tour.
Das erste Stück in Richtung Kemnath ist mal wieder Bundesstraße. Ich habe also ein Transitstück vor mir. Es ist nervig, aber hin und wieder ist mal ein wenig Radweg da und generell ist Verkehrsdichte nicht so hoch und die PKW/LKW Fahrer weniger aggressiv im Vergleich zu uns. Sie fahren deutlich umsichtiger.
Durch einen Zufall erwische ich sofort den Einstieg in den Fichtelnaabtalradweg. Zu erst war der Weg ein Traum.
Und ich hatte meinen Spaß
bei diesen Lichtverhältnissen.
Ab Erbendorf änderte sich das leider. Erst ging der Radweg total weit weg von der Fichtelnaab auf einen Berg. Als ich ratlos in die Karte schaute, hielt ein freundlicher Radler an und erklärte mir den Weg zum Naabtalradweg. Wenn ich gewusst hätte, was noch auf mich zu kam, wäre ich gerne auf der Landstraße geblieben.
Nachdem ich unten wieder an der Fichtelnaab war, ging es über den Bauernhof rüber zum Bach. Wie komme ich darüber? Entweder fahre ich durch die Furt (unbefestigter Untergrund) oder kraxel die Stufen samt Rad hoch und runter. Ich beschließe, das Rad die Stufen hoch zu wuchten. Danach ging es auf groben Schotter Bergan und Bergab. Der Spaß hielt sich da sehr in Grenzen.
Dann war kein weiteres Durchkommen mehr. Eine Hausbau-Baustelle, bzw. der Kran versperrte mir die weitere Durchfahrt. Leider war es der einzige Weg weit und breit. Also gucken, das man da doch durch kommt. Ein freundlicher Bauarbeiter schnappte sich mal eben mein Rad und hob es „mal eben“über die abgeladen Bauteile. Ich war froh, überhaupt heile da drüber zu kommen...
Der Radweg war dann mitunter nicht so toll. Einmal war der Boden so weich und klebrig, dass das Rad einfach stehen blieb. Ich konnte es einige Sekunden los lassen und es fiel nicht um.
Kurz vor Windischeschenbach wird es ein wenig malerisch.
Vor Windischeschenbach, als man auf die Hauptstraße kommt, verlässt einen die Beschilderung. Diese führt einen in die falsche Richtung. Natürlich kräftig Berghoch. Oben schaute ich mal wieder ratlos in die Karte: Wo bin ich, wo muss ich hin? Eine freundliche Radfahrerin erklärte mir den Weg. So fand ich immerhin den Radweg wieder. Nun war es nicht mehr die Fichtelnaab, sondern die Waldnaab.
Seit langem sehe ich zum ersten mal wieder einen Brückenheiligen.
Die Steigungen werden wieder richtig kräftig. Zähne zusammen beißen und kämpfen! Ich wusste nun wieder, warum es WaldnaabTALradweg hieß.
Bateman rief mich an und fragte, ob ich heute oder morgen kommen würde. Innerlich wollte ich natürlich, aber bei so einer Streckenführung war ich mir nicht mehr sicher, ob ich da heute noch ankommen würde.
In Weiden wurden wieder die Getränke aufgefüllt und ich schaute mir kurz die Störche an. Kurze Zeit später war dann die Frage, wo muss ich hin? Es wurde mir bei der Vielzahl der Schilder nicht leicht gemacht.
Hinter Weiden musste eine Honigbrötchenpause eingelegt werden. Meine Moral war etwas am Boden. Ein junges Pärchen fuhr an mir vorbei. Ich hatte sie bald eingeholt und überholt.
Als ich den 2. Brückenheiligen des Tages fotografierte,
hatten sie mich wieder eingeholt. Sie wollten wissen, wo es lang geht. Da ich das Schild schon gesehen hatte, konnte ich weiter helfen. Wir fuhren ein wenig zusammen und hielten ein Schwätzchen. Da ich denen vor allem in den kurzen Steigungen zu schnell war, trennten sich bald unsere Wege wieder. Mir hat es gut aus meinem Moraltief geholt und mir war schlagartig klar, das ich Bateman doch noch heute erreichen werde.
Es lief wieder, die Pause an der Schranke mit dem Schwatz mit den Radlern auf der anderen Seite hebte die Moral noch weiter. 3h nach dem Anruf kam ich in Nabburg an und hielt für ein langen Schwatz an. Gegen 18.30h machte ich mich zum Campingplatz auf.
Was taten die 1,5km weh. Kurze Zeit nach mir kamen dann auch die beiden Leipziger am Campingplatz an.
16.7.2009 Nabburg – Regensburg
87,2km, 4:49h, 208HM↑
Beim Zelt abbauen wird mir klar, zelten bekommt mir gesundheitlich gar nicht gut. Mein Kreislauf beruhigt sich dann mit der Zeit und ich kann starten.
Die Fahrt geht durch ein schönes ruhiges Tal mit einer guten Streckenführung.
Der Himmel sieht nur anfangs so schön aus. Das Wetter ist total schwül, mir läuft die Brühe nur so runter. Oder spinnt noch der Kreislauf? Ich weiß es nicht, ich ignoriere es einfach mal. Ich finde, solange ich noch treten kann, ist alles in Ordnung.
Die Streckenführung ist nun wieder so, das man ohne Suchen und Karte gucken alles finden kann. Da es heute flach ist, gehen die Kilometer einfach dahin. Ganz selten geht es vom Naabtal weg und auch an kleinen Bächen findet man Brückenheilige.
Hier einmal eine moderne Variante:
Das Wetter ist mir heute zu link zum zelten. Also via Handy ins Netz und die Telefonnummer der Jugendherberge Regensburg raus finden. Dort schon einmal vorab ein Bett reserviert.
In Kallmünz gab es den nächsten Brückenheiligen. Dieses mal die Prunkvolle Version.
Kallmünz ist ein schickes kleines Städtchen. Da lohnt sich immer ein kleiner Umweg. Erfreulicher Weise gibt es für durstige Kehlen eine Trinkwasserstelle. Erst den Durst löschen und danach die Flaschen wieder füllen.
Leider ist in Kallmünz die Beschilderung ein wenig verwirrend und so landete ich Bundesstraße. Ich war nicht wirklich begeistert darüber, aber die paar Kilometer wird es gehen. Kopf runter, treten. Ich höre, wie ein Wagen hinter mir langsamer wird. Polizei, die was von mir will? Nein, eine PKW Fahrerin. Jaja, ich weiß, ich bin auf einer Bundesstraße, mal hören, was für Beschimpfungen kommen werden. Aber mitnichten! Sie kam auf die gleiche Höhe, blockierte die ganze Fahrbahn, machte das Fenster runter, der kleine Junge tönte schon: hier ist kein Radlweg... Die Frau erklärte mir in einem superfreundlichen ton, das auf der anderen Naabseite ein schöner Radlweg sei. Ich erklärte ihr, das ich diesen leider in Kallmünz verloren hätte. Es gab von ihr noch eine Wegbeschreibung, wie ich da hin kommen würde und einen freundlichen Gruß. Hinter uns hatte sich schon eine größere Wagenschlange gebildet und keiner störte sich daran. Klasse.
Die Wegbeschreibung stimmte und im nächsten Ort konnte ich die Bundesstraße verlassen und erreichte wieder den Naabradweg, wo es schön ruhig weiter ging.
So eine Lenkertasche ist ein toller Kekshalter, auch wenn man eine leichte Steigung fährt. :D
An der Naabmündung sah ich den letzten Brückenheiligen des Tages.
Die ersten Tropfen fielen vom Himmel. Ih, ich wollte doch gemütlich nach Regensburg rein gondeln. So fuhr ich zügig weiter und kam viel zu früh in der Jugendherberge an. Also war dort einmal chillen angesagt, bis um 15h die Anmeldung aufmacht.
Nach dem Anmelden gab es das Standardprogramm. Duschen, Wäsche waschen und dieses mal noch Zelt trocknen.
Abends traf ich noch mondundsonne. Was machen 2 Frauen, wenn die sich treffen? Richtig. Wir hatten nach ein paar Stunden Fransen an den Lippen. Wir sind ein wenig durch die Stadt gebummelt, haben lecker gegessen und sind dann von hier nach dort geschlendert. Mit meinem „Schlaflos im Sattel“ Tshirt fiel ich auf und wurde von einem Ami angequatscht, ob ich das Rennen quer durch Amerika gefahren wäre, er hatte Schlaflos in Seattle . Ich erklärte ihm das Nachtrennen in der Pfalz.
18.7.2009
Ruhetag Regensburg
Nachdem es gestern abend trocken geblieben war, so regnete es jetzt um so mehr. So gab es ein kleineres Besichtigungsprogramm. Der blaue Esel und der lächelnde Engel, der Teufel und seine Großmutter im Dom, die verschiedenen Fresken und Tiere an den Häusern, die kleinen Städtchen und Cafes... Später ging es noch nach mondundsonne, chillen.
Fortsetzung folgt!
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